SPD will Lenz-Aktas nach Berlin schicken

47-Jährige setzt sich bei Nominierungsversammlung gegen Uli Piller durch, Jürgen Vahlberg verzichtet auf Kandidatur.

Ingrid Lenz-Aktas. Das Bild ist urheberrechtlich geschützt. © 2008Landkreis - Die SPD München-Land zieht mit Ingrid Lenz-Aktas an der Spitze in den Bundestagswahlkampf. Bei der Bundeswahlkreiskonferenz am Mittwoch in München erhielt die Unterbezirksvorsitzende aus Aschheim 57 der 94 Stimmen und bewirbt sich damit um die Nachfolge Otto Schilys. Der Wahlkampf, so sagte die 47-Jährige, habe für sie schon am Tag ihrer Nominierung begonnen.

Fünf Kandidaten hatten sich ursprünglich um das SPD-Direktmandat im Wahlkreis 222 beworben, das Quintett war nach den Vorstellungsrunden zum Trio geschrumpft. Nachdem am Mittwoch bei der Aufstellungskonferenz auch noch Jürgen Vahlberg auf seine Kandidatur verzichtet hatte, kam es schließlich zu einem "Zweikampf" zwischen Lenz-Aktas und dem 29 Jahre alten Unterschleißheimer Bewerber Uli Piller. Selbstbewusst trat die Lektorin Lenz-Aktas ans Mikrophon und überzeugte die Mehrheit der Delegierten mit ihren Zukunftsthemen, für die sie im Wahlkampf und später in Berlin kampfen will. Für den Aufbruch ins solare Zeitalter und das Ende der Atom-Lobby, für soziale Gerechtigkeit, eine vernünftige Integrationspolitik und ein Tempolimit auf der Autobahn. Sie präsentierte sich als fundierte Kennerin des Landkreises. Nur Krailling, das zum Wahlkreis 222 gehört, müsse sie noch besser kennenlernen. Mit einigen Vertretern aus dem Norden dürfte es sich Aktas verscherzt haben, als sie dem Südring eine klare Absage erteilte.

Der Realschullehrer Uli Piller aus Unterschleißheim punktete noch einmal in Fragen der Bildungspolitik, macht sich stark für die Integration und begrüßte das 14-Punkte-Programm der SPD zur Ankurbelung der Konjunktur. Während Pillers Bekenntnis, Berufspolitiker werden zu wollen, bei den Delegierten nicht besonders gut ankam, hatte Lenz-Aktas, seit 1983 Mitglied im SPD-Ortsverein Aschheim, den Vorteil, in mehr als einem Dutzend Gremien von AWO bis Verdi bekannt und aktiv zu sein. Mit 57 Stimmen machte sie schließlich das Rennen.

Otto Schily, seit 1998 zwar Direktkandidat für München-Land, aber nur selten hier gesehen, gab persönlich die Stafette an seine Nachfolgerin weiter. Die Ausgangsposition für die SPD sei besser als vor einem Jahr, stellte er fest. Mit hoher Energie werden Steinmeier und Müntefering den Wahlkampf im kommenden Jahr führen, kündigte er an. "Ich bin zuversichtlich für das Wahljahr", sagte Schily. Nicht umhin komme die SPD, sich mit der Linken auseinander zu setzen, die laut Schily unseriöse Politik betreibe und Versprechen mache, die sie nicht halten könne.

"Morgen beginnt der Wahlkampf ", sagte Lenz-Aktas noch am Abend. Die Listen-Reihung für Bayern findet am 13. Dezember statt, doch sie ist zuversichtlich" als Frau gut platziert zu werden. Doch eigentlich will sie das Direktmandat gegen den CSU-Bewerber erringen. Noch steht nicht fest, wer es sein wird. Unterdessen tröstete sich Piller mit Schilys Zuspruch. Er sei noch so jung, hatte Schily festgestellt, und an der SPD-Spitze sei immer ein Platz frei.

Von Barbara Ettl, Süddeutsche Zeitung, 30.10.2007


Mehr über Ingrid Lenz-Aktas finden Sie auf ihrer eigenen Website: www.lenz-aktas.de

Den Wahlkreis von Otto Schily bilden die Gemeinden des Bundeswahlkreises München Land (223)

Aschheim, Aying, Baierbrunn, Brunnthal, Feldkirchen, Garching, Gräfelfing, Grasbrunn, Grünwald, Haar, Hohenbrunn, Höhenkirchen, Ismaning, Kirchheim, Krailing (Lkr. Starnberg), Neubiberg, Neuried, Oberhaching, Oberschleißheim, Ottobrunn, Planegg, Pullach, Putzbrunn, Sauerlach, Schäftlarn , Straßlach, Taufkirchen, Unterföhring, Unterhaching

Ihr SPD-Landtagsabgeordneter im Landeswahlkreis München Land Nord (122): Prof. Peter-Paul Gantzer

Ergebnisse Wahlkreis 223 München-Land 1994, 1998 und 2002

Direkt gewählt: Georg Fahrenschon, CSU
(Georg Fahrenschon wechselte zum Bayerischen Staatsministerium der Finanzen.
Nachfolgerin für ihn im Bundestag: Marion Seib (CSU))

Über Landesliste gewählt: Otto Schily, SPD

2005

2002

1998

1994

Wahlberechtigte

226 705

248 648

226 184

221 406

Wahlbeteiligung

83,5 %

86,0 %

83,6 %

81,2 %

Erststimmen

Zweitstimmen

Angaben in %

2005

2002

1998

1994

2005

2002

1998

1994

CSU

52,7 55,6 52,3 53,5 45,4 55,7 46,3 48,3

SPD

30,3 32,1 35,3 31,9 24,0 24,2 31,4 26,6

F.D.P.

6,2 4,6 3,6 5,0 14,6 6,7 8,7 11,3

B' 90/Die Grünen

7,8 6,1 4,2 5,4 10,7 10,7 7,7 8,0

Die Linke/PDS

2,0 0,7 0,6 - 2,6 0,7 0,8 0,7

Sonstige

1,0 - 4,0 4,2 2,7 2,0 5,1 5,1